St. Marienkirche

St. Marien Gemeinde Büttel

St. Marienkirche Büttel

Wie unsere gesamte Gegend, so gehörten auch Büttel, Schwegen und Bramstedtermoor über mehrere Jahrhunderte zum Bereich der Bramstedter Kirche. Diese ist die älteste auf dem Gebiet und offensichtlich bereits im 10. Jahrhundert gegründet worden. Als Mutterkirche umschloss sie von Amt Hagen über Bramstedt, Osterstade bis Stotel auch einen Teil der anderen Weserseite. Die Bütteler Kirche wurde um 1500 erbaut. Sie galt jedoch erst als Kapelle und war zunächst weiter der Bramstedter Kirche unterstellt. Erst später erhielt sie den Rang einer Pfarrkirche. So gehörten z.B. die Schwegener Gemeindemitglieder für weitere 2 Jahrhunderte mit ihren Lebenden nach Büttel, ihre Toten jedoch nach Bramstedt. Erst die Verhandlungen von 1828-1841 führten zu einer Umpfarrung nach Büttel. Einen weiteren Zuwachs erhielt die Kirchengemeinde Büttel durch die Besiedelung von Neuenlandermoor und Langendammsmoor. Die Einwohnerschaft von Bramstedtermoor musste noch bis 1931 auf ihre Umpfarrung nach Büttel warten.
Das Baujahr der St. Marienkirche in Büttel lässt sich nicht genau ermitteln. Im Jahre 1420 wird die Kirche in Amtlichen Unterlagen noch nicht erwähnt. Sie dürfte jedoch kurz vor 1506 erbaut worden sein. Darauf weist eine Inschrift auf einer in jenem Jahr gegossenen Glocke mit folgendem Text hin "Maria bin ick geheten,de to dem Büttel haben mi laten geten." "Die Kirche, die der Maria gewidmet ist, steht im östlichen Bereich des Dorfes Büttel an der nach Norden von der Weserseite abzweigenden Hake- Betken- Strasse. Sie erhebt sich auf einer kleinen mit Bäumen bepflanzten Wurt inmitten des Friedhofes mit der Grabstätte des im Jahre 1618 ermordeten Bauern und Viehhändlers Hake Betken. " (Vergl. Hake Betken siene Duven" Sagenbuch der Männer vom Morgenstern)
Bei der Kirche handelt es sich um einen schlichten Backsteinbau. Bedingt durch die seit Anfang an bestehende Geldknappheit weist auch der Innenraum keine reichhaltige Ausstattung auf. Eine große Sturmflut im Jahre 1717 verschlimmerte den Zustand so sehr, das die Kirchengemeinde weder die erforderlichen Reparaturen vornehmen konnten, noch die Beiträge zu den Deichlasten aufbringen konnte. Daraufhin bestimmt das Königliche Konsistorium in Stade, dass die Kirche geschlossen und die Bütteler Einwohner den Gottesdienst in Stotel besuchen sollten. Eine genehmigte Beckenkollekte, die zuwenig Geld einbrachte, mehr aber der heftige Widerstand der Bütteler verhinderten schließlich die angedrohte Maßnahme. Die Kirchengemeinde erhielt einen zinslosen Kredit, mit dem sie sich weiterhelfen konnte.
Bis heute sind das gotische Fenster an der Ostwand des Chores sowie die aus dem Jahre 1786 stammende Sonnenuhr an der Südseite des Gebäudes erhalten geblieben. Um für mehr Helligkeit im Inneren der Kirche zu sorgen, vergrößerte man im 18. Jahrhundert die kleinformatigen Spitzbogenfenster an den Längswänden. Im gleichen Jahrhundert erfolgte der Einbau der Emporen und 1871 schließlich die Anschaffung einer Orgel. In seinem Buch über Hagen und Stotel aus dem Jahre 1901 beschreibt Heinrich Schriefer die St. Marienkirche als "dunkel, eng und unschön, den schiefen Turm als baufällig, aber insgesamt noch gut erhalten und reinlich, so dass sie den Stürmen, welche die Marschen durchtosen, Trotz bieten kann." Diese Einschätzung hat sich bis heute bewahrheitet. Dabei traten im Laufe der Zeit hin und wieder Schäden am Gebäude auf, die es zu beheben galt. 1961 musste der Turm aus konstruktiven Gründen abgebrochen und neu aufgebaut werden. Nach einem Blitzschlag 1971 erhielt er die heutige Form.

Bütteler Taufbecken mit Blumenschmuck

Von 1969-1971 wurde das Kirchengebäude umfangreich saniert. Die Bütteler mussten jedoch vorher erneut stark Protestieren, um eine Stilllegung ihrer Kirche ein weiteres Mal zu verhindern. Laut Beschluss des Bürgervereins waren pro Haushalt 25 Arbeitsstunden zu leisten, oder ersatzweise 5 DM pro Stunde zu zahlen. Die Sanierung machte den Ausbau der durch Holzschädlinge unbrauchbar gewordenen Emporen, einschließlich des Kastengestühls und der nicht mehr bespielbaren Röver- Orgel erforderlich. Der Kircheneingang würde von der Nord- zur Südseite verlegt und der ehemalige Eingangsbereich (Brauthaus) in einen Aufbahrungsraum umgebaut. Nach Entfernung der morschen Kanzel konnte der romanische Taufstein aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wieder genutzt werden, der bis dahin als Kanzelfuß diente. Besonders wertvoll ist der 1976 restaurierte Altaraufsatz von 1732 mit Abendmahlsdarstellung in der Predella und dem Kreuzigungsgemälde als Mittelbild.
Ferner sind die beiden Altarleuchten in Dockenform (1870 gestiftet vom MTV Büttel) und die Abendmahlsgeräte in Silber von 1704, 1754 und 1774, die heute noch in Benutzung sind, zu erwähnen.
Als Deckenbeleuchtung dienen eiserne Radleuchter von 1800 und ein flämischer Kronleuchter. 1991 konnte schließlich ein Orgelpositiv von der Auferstehungs-kirche Bremervörde erworben werden.
Die Namen der in Büttel tätigen Pastoren beginnen mit dem bis 1563 noch tätigen P. Lippold. Bedingt durch den kleinen Amtsbezirk und die geringe Einwohnerzahl blieb den Geistlichen noch genügend Zeit, sich ihren Privaten Neigungen zu widmen. Dabei gelang es einigen von ihnen, außer- gewöhnliches zu erreichen. Vor allem zu erwähnen sind hier Pastor J. Hoddersen, der unter Martin Luther studiert hat und die Bibel in die niedersächsische Sprache übersetzt hatte. Auch Pastor Telge ist hierbei zu erwähnen, der als bedeutendster Orientalist seiner Zeit galt.
Bis 1932 wurde die Bütteler Pfarrstelle nicht mehr besetzt, sondern dem jeweiligen Pastoren der Kirchengemeinde Stotel in Personalunion übertragen. Bis heute gehört die eine Hälfte der Ortschaft Büttel zur Kirchengemeinde Dedesdorf (Landeskirche Oldenburg) und die andere Hälfte zur Kirchengemeinde Büttel (Landeskirche Hannover).

"Kennt ji dat Dörp Schwegen" Herausgeber Dorfgemeinschaft Schwegen; Kapitel - Die Kirche in Büttel Verfasserin Wilma Tietjen

Pastoren der Kirchengemeinde Büttel

1564-1570 Pastor Johann Hoddersen (Mitarbeiter an der niederdeutschen Bibel)
1570-1583 Pastor Henricus Hoddersen (Sohn von J. Hoddersen)
1583-1658 Moritz Hoddersen (Sohn von H. Hodddersen)
1658-1683 Pastor Christian Hoddersen
1683-1695 Pastor Paul Drosemann
1695-1706 Pastor Johann Büter
1706-1719 Pastor Gottfried Krakau
1719-1721 Pastor Hinrich Johann Sartorius (vorher Feldprediger im Regimenr von Löwenhaupt; gest. 1721)
1722-1727 Pastor Friedrich Wilhelm Praetorius (gest. 1727)
1728-1762 Johann Hinrich Meyer (gest. 1726)
1763-1780 Pastor Clemens Matthias Uhlenhoff
1781-1822 Pastor Johann Friedrich Telge (großer Sprachkenner)
1822-1829 Pastor Carl-Friedrich Heemensoth
1829-1867 Pastor Ernst Nikolaus Dietrich Brünung (gest. 1867)
1868-1894 Pastor Ludwig Georg Thomfohre
1894-1906 Pastor Wilhelm Held
1906-1932 Pastor Ubbo Paul Voß
1933-1956 Pastor Max August Bernhard Meyer
1957-1962 Pastor Ernst-Wolf Kleinwächter
1963-1972 Pastor Friedrich Weidauer
1972-1989 Pastor Gunther Berkhan
1989-2003 Pastor Klause Nolte
2003-heute Pastor Thomas Casper
 
Bütteler Altar